20 Lücken, 30 Punkte, und der Prüfungsteil, den die meisten erst eine Woche vor der Prüfung ernst nehmen. Dabei sind die Sprachbausteine der berechenbarste Teil der ganzen telc B1 Prüfung: Die Aufgaben werden nicht frei erfunden, sondern aus einem festen Lernzielkatalog gebaut. Wer die wiederkehrenden Muster kennt, erkennt in der Prüfung keine Überraschungen mehr, sondern alte Bekannte.
Hier ist das komplette Inventar: 10 Muster für Teil 1, 5 für Teil 2, jeweils mit der typischen Falle, die telc dir stellt.
Das Format in 60 Sekunden
- Teil 1: Ein kurzer Brief oder eine E-Mail mit 10 Lücken. Für jede Lücke wählst du aus drei Optionen (a, b, c).
- Teil 2: Ein zweiter Text mit 10 Lücken. Du wählst aus einer Liste von 15 Wörtern (a bis o). Jedes Wort passt höchstens einmal, 5 bleiben übrig.
- Punkte: Jede richtige Antwort bringt 1,5 Punkte, insgesamt 30 Punkte. Falsche Antworten kosten nichts, also niemals eine Lücke leer lassen.
- Zeit: Die Sprachbausteine teilen sich 90 Minuten mit dem Leseverstehen. Plane etwa 15 bis 20 Minuten ein, mehr brauchst du mit den Mustern unten nicht.
Ein Punkt, der oft falsch erklärt wird: Es gibt kein Mindestergebnis nur für die Sprachbausteine. Die 60-Prozent-Hürde gilt für den gesamten schriftlichen Teil (135 von 225 Punkten). Du kannst also eine schwache Sprachbausteine-Runde mit Lesen und Hören ausgleichen. Umgekehrt gilt aber auch: 30 Punkte sind 10 Prozent der Gesamtprüfung, fast ein ganzer Brief im Schriftlichen Ausdruck. Verschenken sollte man sie nicht.
Warum immer dieselben Muster kommen
telc testet auf B1 ein definiertes Grammatikinventar. Die Autoren der Prüfung dürfen nur Strukturen abfragen, die im B1-Lernzielkatalog stehen, und ein Lückentext mit 10 Items kann davon nur eine Handvoll abdecken. Das Ergebnis: Über die Modelltests und echten Prüfungen hinweg tauchen dieselben Kategorien in fast identischer Verteilung auf. Genau die stehen hier.
Teil 1: die 10 Muster im Multiple-Choice-Text
1. Präpositionen mit Zeit und Ort
Der Klassiker. seit, vor, ab, in, an, auf, bei und ihre Fälle.
Ich wohne ___ zwei Jahren in Köln. (a) vor (b) seit (c) ab
Die Falle: Alle drei Optionen sind Zeitpräpositionen. vor zwei Jahren (Zeitpunkt in der Vergangenheit) gegen seit zwei Jahren (Zeitraum bis jetzt). Entscheidend ist das Verb: wohne steht im Präsens, also seit.
2. Konnektoren und Wortstellung
weil, denn, deshalb, obwohl, trotzdem, damit.
Ich komme später, ___ ich noch einen Termin habe. (a) deshalb (b) weil (c) trotzdem
Die Falle: telc kombiniert gern einen Nebensatz-Konnektor mit zwei Hauptsatz-Konnektoren. Schau auf die Position des Verbs: Steht es am Ende (habe), kommt nur weil oder obwohl in Frage. Dann entscheidet die Logik.
3. Pronomen im richtigen Fall
Personal-, Possessiv- und Reflexivpronomen, meist im Akkusativ oder Dativ.
Können Sie ___ bitte die Unterlagen schicken? (a) mich (b) mir (c) meiner
Die Falle: schicken steht mit Dativ (wem?) und Akkusativ (was?). Die Unterlagen sind das Was, also brauchst du das Wem: mir.
4. Verbformen und Zeiten
Perfekt mit haben oder sein, Präteritum der wichtigsten Verben.
Gestern ___ ich zu Hause geblieben. (a) habe (b) bin (c) war
Die Falle: bleiben bildet das Perfekt mit sein, obwohl keine Bewegung stattfindet. Die Verben sein, bleiben, passieren, werden gehören zur sein-Gruppe, das fragt telc regelmäßig ab.
5. Modalverben
müssen, sollen, dürfen, können in Bedeutung und Form.
In diesem Raum ___ man nicht rauchen. (a) darf (b) muss (c) will
Die Falle: Verbot gegen Notwendigkeit. nicht dürfen = verboten, nicht müssen = nicht nötig. Im Deutschen ist das ein Bedeutungsunterschied, den viele Sprachen so nicht machen.
6. Adjektivendungen
Nach bestimmtem, unbestimmtem und ohne Artikel.
Ich suche eine ___ Wohnung. (a) große (b) großen (c) großes
Die Falle: Die drei Optionen sind immer Formen desselben Adjektivs. Bestimme erst Genus und Kasus des Nomens (eine Wohnung, Akkusativ, feminin), dann die Endung: -e.
7. Konjunktiv II und höfliche Bitten
würde, hätte, könnte, wäre.
___ Sie mir bitte helfen? (a) Können (b) Könnten (c) Konnten
Die Falle: Alle drei Formen existieren. In höflichen Bitten und irrealen Bedingungen steht der Konjunktiv II. Das Signalwort ist oft bitte oder ein wenn-Satz.
8. Relativpronomen
der, die, das, dem, denen und die Frage nach dem Kasus im Nebensatz.
Der Kollege, ___ ich das Paket gegeben habe, ist heute krank. (a) der (b) den (c) dem
Die Falle: Genus kommt vom Bezugswort (der Kollege), aber der Kasus kommt aus dem Relativsatz. geben + Dativ, also dem. Wer nur auf das Bezugswort schaut, wählt falsch.
9. Infinitiv mit zu, um ... zu und damit
Ich lerne jeden Tag, ___ die Prüfung zu bestehen. (a) für (b) um (c) damit
Die Falle: um ... zu und damit bedeuten dasselbe, aber um ... zu braucht dasselbe Subjekt in beiden Satzteilen und ein zu vor dem Infinitiv. Steht ein zu im Satz, ist damit raus.
10. Negation und Artikelwörter
kein gegen nicht, dazu jeder, alle, manche, etwas, nichts.
Ich habe leider ___ Zeit. (a) nicht (b) keine (c) nichts
Die Falle: Nomen ohne Artikel werden mit kein verneint, nicht mit nicht. Die Form (keine) muss dann noch zum Nomen passen.
Teil 2: die 5 Muster in der Wortliste
Teil 2 ist kein Grammatiktest, sondern ein Test für feste Verbindungen. Die 15 Wörter in der Liste sehen austauschbar aus, sind es aber fast nie.
11. Verben mit fester Präposition
sich freuen auf/über, warten auf, sich interessieren für, denken an, sich bedanken für.
Die Falle: In der Wortliste stehen mehrere Präpositionen. Wenn im Text Ich freue mich sehr ___ Ihre Antwort steht, gewinnt auf (zukünftig), nicht über (bereits geschehen). Lerne Verben nie ohne ihre Präposition.
12. Nomen-Verb-Verbindungen und feste Wendungen
Bescheid geben, zur Verfügung stehen, in Frage kommen, sich Mühe geben, eine Entscheidung treffen.
Die Falle: Diese Wendungen sind nicht wörtlich übersetzbar und nicht durch Grammatikregeln herleitbar. Entweder du kennst sie oder nicht. Die gute Nachricht: Es sind auf B1-Niveau nur ein paar Dutzend, und telc recycelt sie.
13. Briefformeln und Redemittel
Mit freundlichen Grüßen, im Voraus, herzlichen Dank, Sehr geehrte Damen und Herren.
Die Falle: Teil 2 ist fast immer ein halbformeller Brief. Vielen Dank im ___ kann nur Voraus sein. Wer die 20 wichtigsten Briefformeln kennt, bekommt 2 bis 3 Lücken geschenkt, und dieselben Formeln braucht man ohnehin für den Schriftlichen Ausdruck.
14. Konnektoren auf Textebene
deshalb, trotzdem, außerdem, allerdings, zum Beispiel.
Die Falle: Hier prüft telc Logik, nicht Grammatik. Lies den Satz davor: Folgt eine Konsequenz (deshalb), ein Gegensatz (trotzdem, allerdings) oder eine Ergänzung (außerdem)? Wer nur den Lückensatz liest, rät.
15. Die Wortart der Lücke lesen
Das Meta-Muster, das die anderen vier schlägt: Bestimme vor dem Blick in die Wortliste, welche Wortart in die Lücke passt.
So geht es: Steht die Lücke nach einem Artikel, brauchst du ein Nomen oder Adjektiv. Steht sie an Position 2 des Satzes, ein Verb. Damit streichst du sofort zwei Drittel der 15 Wörter und wählst nur noch unter 4 bis 5 Kandidaten statt unter 15.
Die 3 Fallen, die die meisten Punkte kosten
- Distraktoren aus derselben Wortart. Die falschen Optionen sind nie zufällig. Bei einer Präpositionslücke sind alle drei Optionen Präpositionen. Es reicht also nicht zu erkennen, was fehlt, du musst die Verbindung kennen.
- Nur den Lückensatz lesen. Viele Antworten hängen am Satz davor (Konnektoren, Pronomen-Bezüge). Lies immer einen Satz mehr, als du glaubst zu brauchen.
- Zeit in Teil 2 versenken. Wer bei einer Lücke hängt, geht weiter. Da jedes Wort nur einmal passt, lösen die sicheren Lücken die unsicheren mit: Je weniger Wörter übrig sind, desto leichter wird der Rest.
Strategie für den Prüfungstag
- Lies den Text einmal komplett, bevor du die erste Lücke füllst. Du brauchst den Kontext (wer schreibt wem und warum).
- Fülle erst die sicheren Lücken, markiere die unsicheren.
- In Teil 2: Sortiere die Wortliste im Kopf nach Wortarten, bevor du beginnst.
- Nutze das Ausschlussverfahren. Zwei Optionen eliminieren ist oft leichter, als die richtige direkt zu sehen.
- Lass am Ende keine Lücke leer. Es gibt keinen Punktabzug, geraten ist besser als leer.
- Übertrage deine Antworten auf den Antwortbogen, bevor die 90 Minuten enden. Nur der Bogen wird gewertet.
Häufige Fragen
Wie viele Punkte brauche ich in den Sprachbausteinen?
Es gibt kein Mindestergebnis für diesen Einzelteil. Die 60-Prozent-Regel gilt für den gesamten schriftlichen Teil (135 von 225 Punkten). Die Sprachbausteine steuern maximal 30 Punkte bei.
Wie viel Zeit habe ich für die Sprachbausteine?
Es gibt keine eigene Zeitvorgabe. Leseverstehen und Sprachbausteine teilen sich 90 Minuten. Bewährt haben sich 15 bis 20 Minuten für die Sprachbausteine.
Gibt es Punktabzug für falsche Antworten?
Nein. Eine falsche Antwort zählt genauso wie eine leere Lücke: null Punkte. Deshalb immer alles ankreuzen.
Kann ein Wort in Teil 2 zweimal vorkommen?
Nein. Jedes der 15 Wörter passt höchstens in eine Lücke, 5 Wörter bleiben am Ende übrig.
Vom Lesen ins Üben
Die 15 Muster zu kennen ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist, sie unter Zeitdruck in echten Prüfungstexten zu erkennen. Genau dafür gibt es bei Yulo interaktive Sprachbausteine-Übungen im echten telc Format: Teil 1 und Teil 2, mit sofortiger Auswertung und Erklärung zu jeder Lücke, welches Muster gerade getestet wurde.
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